GUHRSteuerberatung

Sparringspartner für Unternehmer.

Ertragsteuern8 Min. Lesezeit

Verdeckte Gewinnausschüttung (vGA)

Kurzdefinition

Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt vor, wenn eine GmbH ihrem Gesellschafter einen Vorteil zuwendet, den sie einem fremden Dritten nicht gewährt hätte – etwa ein überhöhtes Gehalt oder privat veranlasste Kosten. Sie darf den Gewinn nicht mindern und wird beim Gesellschafter als Kapitalertrag besteuert.

Auch bekannt als:vGA§ 8 Abs. 3 KStGFremdvergleich

Die verdeckte Gewinnausschüttung ist der häufigste und teuerste Fund in Betriebsprüfungen von GmbHs. Der Mechanismus ist immer derselbe: Was zwischen Gesellschaft und Gesellschafter nicht dem Fremdvergleich standhält, wird steuerlich in eine Ausschüttung umqualifiziert – mit Steuernachzahlung auf beiden Ebenen plus Zinsen, oft für mehrere Jahre rückwirkend. Das Tückische: Eine vGA entsteht nicht durch böse Absicht, sondern meist durch fehlende oder schlampige Verträge.

Was genau ist eine vGA?

Nach der Rechtsprechung des BFH ist eine vGA eine Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung bei der Kapitalgesellschaft, die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist, sich auf das Einkommen auswirkt und nicht auf einem ordentlichen Gewinnverteilungsbeschluss beruht (§ 8 Abs. 3 Satz 2 KStG). Der zentrale Maßstab ist der Fremdvergleich: Hätte ein gewissenhafter Geschäftsleiter dieselbe Vereinbarung mit einem fremden Dritten getroffen? Wenn nein, ist der überschießende Teil eine vGA – unabhängig davon, wie die Beteiligten das Geschäft genannt haben.

Die klassischen Fälle

  • Überhöhtes Geschäftsführergehalt: Gesamtausstattung (Gehalt, Tantieme, Pension, Pkw) über dem, was fremde Geschäftsführer vergleichbarer Unternehmen erhalten.
  • Private Kosten über die GmbH: Familienurlaub als „Geschäftsreise“, privates Auto der Ehefrau, Renovierung des Privathauses auf Firmenrechnung.
  • Unübliche Mietverhältnisse: Die GmbH mietet Räume vom Gesellschafter über Marktpreis – oder vermietet an ihn deutlich darunter.
  • Zinslose oder unbesicherte Darlehen an den Gesellschafter ohne fremdübliche Konditionen.
  • Tantiemen über 50 % des Jahresüberschusses oder Umsatztantiemen ohne besondere Rechtfertigung.
  • Nur-auf-dem-Papier-Verträge: vereinbarte Leistungen, die tatsächlich nie erbracht oder abgerechnet werden.

Rechtsfolgen: doppelt teuer

Die vGA wirkt auf zwei Ebenen. Auf Ebene der GmbH wird das Einkommen außerbilanziell um die vGA erhöht – es fallen nachträglich rund 30 % Körperschaft- und Gewerbesteuer an. Auf Ebene des Gesellschafters wird der Vorteil in einen Kapitalertrag umqualifiziert: Abgeltungsteuer von 25 % zzgl. Soli, oder Teileinkünfteverfahren, wenn die Anteile im Betriebsvermögen liegen. Wurde der Betrag zuvor als Gehalt versteuert, wird zwar gegengerechnet – aber Nachzahlungszinsen, Aufrollung mehrerer Jahre und im Extremfall der Verdacht der Steuerhinterziehung bleiben. Eine vGA für drei Prüfungsjahre kann schnell einen sechsstelligen Gesamtschaden ergeben.

So vermeiden Sie die vGA

  1. Jede Leistungsbeziehung zwischen GmbH und Gesellschafter schriftlich und im Voraus regeln: Anstellungsvertrag, Mietvertrag, Darlehensvertrag – mit klaren Konditionen.
  2. Fremdvergleich dokumentieren: Gehaltsstudien, Mietspiegel, marktübliche Zinssätze als Beleg zur Akte nehmen.
  3. Verträge tatsächlich leben: pünktliche Zahlung, korrekte Buchung, keine formlosen Abweichungen.
  4. Gesamtausstattung des Geschäftsführers regelmäßig prüfen – insbesondere bei Gewinnsprüngen, Tantiemen und Pensionszusagen.
  5. Vor ungewöhnlichen Geschäften (Verkauf von Wirtschaftsgütern an den Gesellschafter, Nutzungsüberlassungen) den Steuerberater einbinden – vorher, nicht nachher.

vGA-Prävention

Prüfungssicher, bevor der Prüfer kommt.

Wir prüfen Ihre Verträge zwischen GmbH und Gesellschafter auf vGA-Risiken – Geschäftsführergehalt, Miete, Darlehen, Pensionszusage – und dokumentieren den Fremdvergleich so, dass er einer Betriebsprüfung standhält.

Häufige Fragen

Was Mandanten dazu am häufigsten fragen

  • Die vGA selbst ist kein Straftatbestand, sondern eine steuerliche Korrektur. Wurde sie aber bewusst verschleiert – etwa private Kosten systematisch als Betriebsausgaben getarnt – kann der Vorwurf der Steuerhinterziehung im Raum stehen. Die meisten vGA-Fälle sind jedoch handwerkliche Fehler ohne strafrechtliche Folgen.
  • Maßstab ist der externe Fremdvergleich: Gehaltsstrukturuntersuchungen (z. B. BBE-Studien) nach Branche, Umsatz und Mitarbeiterzahl. Die Finanzverwaltung akzeptiert regelmäßig eine Bandbreite; kritisch wird es am oberen Rand, bei Tantiemen über 50 % des Gewinns und wenn mehrere Gesellschafter-Geschäftsführer jeweils ein Vollgehalt beziehen.
  • Nein. Ist der Tatbestand einmal verwirklicht, hilft weder eine Rückzahlung noch eine nachträgliche Vereinbarung – die Rückzahlung gilt steuerlich als Einlage und beseitigt die vGA nicht. Genau deshalb ist Prävention durch saubere Verträge der einzige verlässliche Schutz.

Ihr nächster Schritt

Wie wirkt sich Verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) bei Ihnen konkret aus?

Theorie ist die eine Seite – Ihre konkreten Zahlen die andere. In einem 30-minütigen Erstgespräch zeigen wir Ihnen, welcher Hebel bei Ihrer Konstellation greift. Kostenlos, schriftliches Angebot inklusive.

Weitere Begriffe, die zu diesem Thema passen

Steuergestaltung

GmbH-Geschäftsführergehalt

Das Geschäftsführergehalt ist bei der GmbH voll abziehbare Betriebsausgabe und damit der wichtigste Hebel, um Gewinne steuerwirksam auf die private Ebene zu holen. Überschreitet es den Fremdvergleich, droht die Umqualifizierung in eine verdeckte Gewinnausschüttung.

GF-GehaltGeschäftsführervergütungGesellschafter-Geschäftsführer
Begriff lesen
Ertragsteuern

Körperschaftsteuer

Die Körperschaftsteuer ist die Einkommensteuer der Kapitalgesellschaften: 15 % auf das zu versteuernde Einkommen, plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf. Zusammen mit der Gewerbesteuer ergibt sich für eine GmbH eine Gesamtbelastung von rund 30 %.

KStKörperschaftssteuer§ 23 KStG
Begriff lesen
Gewinnermittlung

1-%-Regelung (Firmenwagen)

Die 1-%-Regelung bewertet die private Nutzung eines Firmenwagens pauschal mit 1 % des Bruttolistenpreises pro Monat. Alternativ weist ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch die tatsächlichen Kosten des Privatanteils nach – oft die günstigere, aber aufwendigere Methode.

FirmenwagenbesteuerungDienstwagenFahrtenbuchmethode
Begriff lesen

30 Minuten. Ein klarer Plan für Ihre Steuern.

Im kostenfreien Erstgespräch hören wir uns Ihr Setup an, benennen die Hebel mit dem größten Effekt und schicken innerhalb von 48 Stunden ein schriftliches Angebot. Sie entscheiden danach.